Heute erreichte uns nachfolgender Leserbrief von Theresa Koberg, der bei den WN bislang keine Berücksichtigung fand, den wir Ihnen aber nicht vorenthalten möchten:

Auch ich gehöre zur "Selbsthilfegruppe von Herrn Kühnert". Wie bedroht muss ein politischer Gegner sich fühlen, wenn eine Gruppe in der SPD - vorwiegend junge Menschen - jetzt Vorstellungen entwickelt zur Nachbesserung des Klimavertrags, zu einem Investitionsprogramm für die Wirtschaft, Mietpreisdeckelung und Mindestlohn. Diese Gruppe wird von Herrn Merz als "Selbsthilfegruppe von Herrn Kühnert" bewertet. Dass nun auch noch die Heilige Kuh Vermögenssteuer - ab 2 Millionen wohl gemerkt - geschlachtet werden soll, ist für den politischen Gegner scheinbar ein Himmel schreiendes Unrecht. Und Herr Söder meinte vor einiger Zeit, Herr Kühnert wolle DDR- Verhältnisse einführen. Das Niveau der politischen Debatte ist wohl nicht mehr zu unterbieten.

Wir befinden uns mitten in einem epochalen Umbruch als Folge der Globalisierung mit schwerwiegenden Folgen für die Demokratie, weil

1. politische Gebilde wie EU und Freihandelsabkommen nicht demokratisch gewählt und kontrolliert werden;
2. weil transnationale Unternehmen mächtiger geworden sind als die Staaten,
3. und weil die Gesellschaft durch Zuwanderung vielfältiger und unübersichtlicher geworden ist.

All das wird als Bedrohung gesehen von denjenigen, die von der Globalisierung nicht profitiert haben. Die Zustände werden von ihnen als ungerecht empfunden und Vertrauen ist verloren gegangen.

Wenn nun eine junge Generation beginnt sich in Politik einzumischen, weil sie dabei sein möchte, wenn es um die Gestaltung der eigenen Zukunft geht, dann verrät das Abwatschen als "Selbsthilfegruppe" eher Hilflosigkeit als politischen Sachverstand.

Meine Generation hat von einem unvorstellbaren Aufschwung profitiert und es wird vermutlich in absehbarer Zukunft so etwas für die folgenden Generationen nicht mehr möglich sein. Dass die größte Wählergruppe dier Menschen älter als 60 ist, halte ich für problematisch, weil zu vermuten ist, dass hier die geringste Bereitschaft zur Veränderung da ist, vielleicht auch die geringste Bereitschaft zu teilen.
Theresa Koberg

Kurzmitteilung

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