In vielen Dingen ist die Versorgung psychisch kranker Menschen in Gronau und im Kreis Borken gut, manches ist sogar vorbildlich. Es gibt aber auch Defizite und konkreten Handlungsbedarf. Dies konnte Sarah Lahrkamp, Kandidatin der SPD im Wahlkreis 124 Steinfurt I/Borken I bei der Bundestagswahl, von einem Besuch in der Dinkelwerkstatt in Gronau mitnehmen.

Bei einem mehr als zweistündigen Treffen stellten der Geschäftsführer der InSel gGmbH Hendrik Vestert, der Vorsitzende des HORIZONT e. V. Peter Kasprowiak, der langjährige Geschäftsführer der InSel gGmbH Rolf Berghorn und die Leiterin der Dinkelwerkstatt Leonie Dues den Gästen der SPD das umfassende Angebot der InSel gGmbH und des Fördervereins Psychosoziale Dienste Ahaus-Gronau HORIZONT e. V. vor. Neben Sarah Lahrkamp waren der Ortsvereinsvorsitzende der Gronauer SPD Wolfgang Röwekamp, der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion Norbert Ricking und der stellvertretende Vorsitzende des Sozialausschusses Kevin Dzietko, der beruflich als Bildungsbegleiter tätig ist für Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht zurechtkommen, in der Dinkelwerkstatt zu Gast.

"Integration und Selbstständigkeit, wie es der Name schon sagt, ist das Ziel unserer Arbeit", betonte Hendrik Vestert, der seit rund einem Jahr als Geschäftsführer der InSel gGmbH tätig ist. "Wir möchten für psychisch kranke Menschen ein individuelles, sehr differenziertes Angebot in den Bereichen Arbeiten, Wohnen, Freizeit und Kontakte schaffen und sie unterstützen, ein positives Lebensgefühl zu entwickeln - und auch ein bisschen Motor sein, die psychiatrische Versorgung stetig zu verbessern", erläuterte er.

In welchem Umfang der HORIZONT e. V. und die InSel gGmbH Pionierarbeit geleistet haben, machte Rolf Berghorn deutlich. Er war 1990 der erste Mitarbeiter des 1989 gegründeten Fördervereins Psychosoziale Dienste Ahaus-Gronau und seit der Gründung der InSel gGmbH im Jahr 2000 bis zur Pensionierung im vergangenen Jahr Geschäftsführer der Gesellschaft. "Vor 30 Jahren gab es einen niedergelassenen Psychiater in Gronau und dazu eine Abteilung am Lukas-Krankenhaus", so Rolf Berghorn. "Heute gibt es drei Stationen, die Tagesklinik und die psychiatrische Ambulanz am Lukas-Krankenhaus und neben einer psychiatrischen Praxis in Gronau zwei weitere im Nordkreis. Vor allem aber gibt es ein umfangreiches Netzwerk und ein sehr differenziertes Angebot für psychisch Kranke." Im Jahr 2003 wurde der Sozialpsychiatrische Verbund im Kreis Borken, in dem neben dem Lukas-Krankenhaus und den niedergelassenen Psychiatern all diejenigen sich austauschen und abstimmen, die sich um die psychiatrische Versorgung, kümmern, berichtete Rolf Berghorn und betonte: "Das war eine echte Pionierleistung, denn anders als zum Beispiel in den Niederlanden gibt es in Deutschland viele Träger und auch viele Kostenträger. Das macht die Arbeit nicht immer leicht."

Das Angebot der InSel gGmbH, deren alleiniger Gesellschafter der HORIZONT e. V. ist, besteht in Gronau aus mehreren Säulen, erläuterten Hendrik Vestert, Peter Kasprowiak, Rolf Berghorn und Leonie Dues. Der Verein HORIZONT e. V. hält aktuell keine eigenen Angebote mehr vor. "Die große Mehrzahl unserer Klienten sind chronisch krank", betonte Hendrik Vestert. "Sie bleiben zunächst in der Regel für ein Jahr, zahlreiche aber über viele Jahre, sogar Jahrzehnte", ergänzte Rolf Berghorn.

Eine wesentliche Säule der Arbeit ist das betreute Wohnen. "Auch dort haben wir 1996 mit der Gründung des ersten dezentralen Wohnheims Pionierarbeit geleistet", berichtete Rolf Berghorn. Heute bietet die InSel gGmbH das ambulante betreute Wohnen, bei dem die Klientel in ihrer eigenen Wohnung und gewohnten Umgebung leben, das Wohnen in Wohngruppen und das betreute Wohnen in Gastfamilien an. "Beim Wohnen in Wohngruppen sind die Klienten in der Regel sehr gut in die Nachbarschaft integriert, was für sie eine große Hilfe ist", unterstrich Rolf Berghorn.

Ein zweites Standbein der InSel gGmbH ist das Psychosoziale Zentrum Gronau am Eschweg. Bis zu 30 Stunden in der Woche kommen die Klienten in die Tagesstätte, werden in verschiedenen Angeboten betreut und erhalten so eine Tagesstruktur. Das niedrigschwelligste Angebot ist die Kontakt- und Beratungsstelle, die in Zukunft am Alten Postweg zu finden ist und wo die Klienten ein- bis zweimal in der Woche Unterstützung finden.

Die "erfolgreichste Einrichtung" der InSel gGmbH ist die seit 1998 bestehende Dinkelwerkstatt, die an der Daimlerstraße zu Hause ist, hob die Leiterin der Einrichtung Leonie Dues hervor. "Hier bieten wir Menschen, die arbeiten wollen, nah an der betrieblichen Wirklichkeit in einem geschützten Raum eine sinnvolle Beschäftigung", berichtete sie. "Das ist für viele unserer Klienten enorm motivierend. Corona hat das sehr deutlich gemacht, als die Arbeit in der Dinkelwerkstatt lange lahmgelegt war." Aktuell sind in der Dinkelwerkstatt wieder rund 30 Mitarbeiter tätig, 50 sind es durchschnittlich im Jahr. Es könnten aber noch deutlich mehr sein, betonen Leonie Dues, Hendrik Vestert, Rolf Berghorn und Peter Kasprowiak einhellig. Auch die Kunden der Dinkelwerkstatt schätzten deren Arbeit und würden gern deren Leistungen noch häufiger in Anspruch nehmen. "Gern würden wir mittelfristig eine weitere Halle in unmittelbarer Höhe des jetzigen Standorts anmieten", richtete Peter Kasprowiak den Wunsch auf Unterstützung an die Politik. "Ohne finanzielle Hilfe ist eine Erweiterung kaum machbar." Die SPD-Vertreter versprachen, dies Anliegen aufzunehmen. "Wir werden das in jedem Fall an unsere Vertreter im Kreistag weitergeben und sie bitten, sich dort für eine Erhöhung des jährlichen Zuschusses stark zu machen", betonte Norbert Ricking.

Auch auf ein weiteres Defizit in der psychiatrischen Versorgung wiesen die Vertreter der InSel gGmbH und des HORIZONT e. V. die Politiker hin. Weiterhin gibt es ein starkes Ungleichgewicht bei den niedergelassenen Psychiatern im Kreis. Während in Gronau, Ahaus und Stadtlohn insgesamt nur drei Psychiater ansässig sind, sind es in Bocholt und Rhede deutlich mehr.

Ein dringendes Anliegen gaben Hendrik Vestert, Peter Kasprowiak, Rolf Berghorn und Leonie Dues auch Sarah Lahrkamp mit auf den Weg. "Das Bundesteilhabegesetz sollte ganz dringend reformiert werden", brachte es Rolf Berghorn auf den Punkt. Das 2016 durch die große Koalition im Bundestag auf den Weg gebrachte Gesetzespaket, das aktuell in einer dritten Stufe auf Länderebene umgesetzt wird, hat zum Ziel, das Menschen mit Behinderung aus dem Fürsorgesystem herauszuführen und ihnen durch Eingliederungshilfen eine eigenständige Teilhabe zu ermöglichen. In der Praxis bedeuten die Regelungen aber, dass die Mitarbeiter in den Einrichtungen in Bürokratie ersticken, so die Vertreter der InSel gGmbH und des HORIZONT e. V. "Bei den so dringend benötigten Fachkräften führt das zu Sinn- und Motivationskrisen. Warum vertraut man nicht den in der Regel hoch motivierten Fachkräften?", fragte Peter Kasprowiak.

"Ich nehme sehr tiefe Einblicke in Ihre Arbeit und die Probleme psychisch Kranker mit", unterstrich Sarah Lahrkamp abschließend. "Und ich werde ganz sicher Ihre Kritik am Bundesteilhabegesetz aufgreifen - wenn ich am 26. September in den Bundestag gewählt werde."

BU: Tauschten sich intensiv über die Arbeit der InSel gGmbH aus: Leonie Dues, Leiterin der Dinkelwerkstatt, Sarah Lahrkamp, SPD-Bundestagskandidation, Rolf Berghorn, langjähriger Geschäftsführer der InSel gGmbH, Peter Kasprowiak, Vorsitzender des HORIZONT e. V., Hendrik Vestert, Geschäftsführer der InSel gGmbH, und Wolfgang Röwekamp, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Gronau-Epe

 

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